Whippet-Infos

Kupieren der Daumenkrallen JA oder NEIN?

Ab und an werde ich gefragt, warum die von mir gezüchteten Hunde ihre Daumenkrallen noch haben. Bei vielen anderen Whippets wären diese Krallen doch entfernt…

Darauf gibt es verschiedene Antworten.

"Vollständige" Whippet-Pfote mit Daumenkralle

Recht

Eigentlich erübrigt sich diese Frage, weil in vielen Ländern Europas das Kupieren bei Hunden rechtlich grundsätzlich verboten ist und zwar in Deutschland seit 1987 (Ohren) und seit 1998 (Schwanz, Daumenkrallen), in der Schweiz seit 1997 und in Österreich seit 2000.

Unter dieses „Kupierverbot“ fällt bei Hunden das operative Entfernen einiger Schwanzwirbel, die Verkleinerung von Ohren und das Entfernen von Daumenkrallen und Stimmbändern.

Nach § 6 Absatz 1 des deutschen Tierschutzgesetzes ist das vollständige oder teilweise Amputieren von Körperteilen eines Wirbeltieres verboten. Ausnahmen sind nur nach tierärztlicher Indikation gestattet, wenn etwa der Hundeschwanz verletzt ist oder ein Tumor an ihm wächst. Außerdem sind jagdlich zu führende Hunde ausgenommen, wenn das Kupieren für die vorgesehene Nutzung des Tieres unerlässlich ist und keine tierärztlichen Bedenken entgegenstehen.

Rein rechtlich ist damit das Entfernen der Daumenkrallen beim Whippet ohne medizinischen Grund in Deutschland nicht erlaubt.

Ethik

Unabhängig davon, dass das Entfernen der Daumenkrallen aus Tierschutzgründen nicht zulässig ist, bin ich der Meinung, dass dies auch aus ethischen Gründen nicht statthaft ist. Whippets haben nun Mal wie alle anderen Hunderassen auch Daumenkrallen und „Mutter Natur“ hat die Hunde nicht umsonst damit ausgestattet. Diese Krallen dienen u. a. zum Festhalten von Gegenständen wie etwa Kauknochen und unterstützen den Hund beim Richtungswechsel, beispielsweise beim Rennen von engen Kurven. Meine Whippets haben sich bisher weder beim Toben über „Stock und Stein“, noch beim Coursing oder Bahntraining an ihren Daumen verletzt

Medizin

Auch aus medizinischer Hinsicht lehne ich die Entfernung der Daumenkralle aus „ästhetischen Gründen“ ab. Denn wenn man es genau nimmt, wird nicht nur die blosse Kralle entfernt, sondern das komplette Daumengelenk wird amputiert!

Wenn es der Züchter selber macht, wird in den ersten drei Lebenstagen des Welpen die Daumenkralle mittels einer Schere einfach weggeschnitten und zwar ohne Betäubung. Da die Knochen noch sehr weich sind, ist es an sich eine einfache Sache. Doch wie sauber letztlich gearbeitet wurde, wird erst ersichtlich, wenn der Welpe erwachsen ist und man teils die Stummel unter der Haut ertasten kann. Der Daumenzeh besteht nämlich aus nach innen und außen gerichteten Rotationsmuskeln, Beuger und Strecker und feinen Nervenzellen, die den Fuß und die Zehen versorgen, die durch die Amputation verletzt werden… Der Tierarzt arbeitet dagegen mit einer Narkose und sicherlich fachgerecht. Doch dabei ist der Welpe in seinem zarten Alter schon einem Narkosemittel und viel Stress ausgesetzt, auch die Mutterhündin hat enormen Stress dabei, egal auf welche Art die Entfernung vorgenommen wird.

Krallenpflege beginnt schon im Welpenalter

Zukunft

Bei meinem ersten Whippet-Wurf als unerfahrener „Neu-Züchter“, der noch in der Schweiz gefallen ist, habe ich mich mit einem „unguten Gefühl“ der herrschenden Meinung angeschlossen („Das macht man halt so – das ist so üblich“) und die Daumenkrallen entfernen lassen.

Seit meinem zweiten Wurf bleiben aber die Daumenkrallen dran! Keine Amputation, keine Verstümmelung aus fragwürdigen ästhetischen bzw. modischen Gründen!

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass bei regelmässiger Krallenpflege das Verletzungsrisiko an der Daumenkralle gegen Null geht. Auch kann man die Daumenkralle beim Rennen auf der Bahn oder beim Coursing mit einer elastischen Binde etwas am Bein fixieren. Dann kann wirklich gar nichts mehr an dieser Kralle passieren.

FAZIT: Bei den Druantia´s Whippets bleiben alle Krallen dran!

Daniela Zingg-Bucher
Kleinsteinhausen, Oktober 2010

 

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