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DIE RHEINPFALZ

Zweibrücker Land / Regionale Kultur / Die Rheinpfalz — NR. 246 / Freitag, 22. Oktober 2010


Sie haben Gesichter, die sprechen können

LEUTE AUS DER NÄHE: Daniela Zingg-Bucher aus Kleinsteinhausen züchtet hobbymäßig Windhunde und verkauft sie bis nach Irland

von Alexandra Kern

KLEINSTEINHAUSEN. „Für mich bedeutet Hundezucht auch Verantwortung dem Tier, der Rasse gegenüber" erzählt die 48-jährige Daniela Zingg-Bucher aus Kleinsteinhausen. Sie züchtet hobbymäßig Whippets: mittelgroße, glatthaarige Windhunde. „Das Besondere an diesen Hunden ist, dass zwei Seelen in deren Brust wohnen“, begründet sie ihre Auswahl der Rasse. Auf der einen Seite seien sie anschmiegsame Familienhunde, auf der anderen Seite temperamentvolle, leistungsbereite Sporthunde. „Whippets riechen nicht und sind sehr pflegeleichte Hunde“, sagt die Züchterin. Besonders die Gestik und Mimik der Hunde haben es ihr angetan: „Sie haben Gesichter, die sprechen können.“

Um 6 Uhr morgens steht die Züchterin auf, um ihre Whippets raus zu lassen.

Ihr Tagesablauf ist sehr strukturiert. Zwischen 6 und 6.30 Uhr steht sie auf, um die Hunde raus zu lassen. Sie hat ein großes Außengelände. „Da können die Hunde rumfetzen“, lacht sie. Whippets halten sich gerne draußen auf, allerdings frieren sie auch leicht, da sie ein dünnes Fell, kein Fett und keine Unterwolle besitzen. Das Außengehege ist eines der Kriterien, die ein Züchter einhalten muss.

Daniela Zingg-Bucher beim Ausstellen von Clay

Zu den Pflichten eines Züchters zählt die Sozialisierung der Welpen. Für die gibt es ein eigenes Welpenzimmer, denn die Mutter duldet in der ersten Zeit keine anderen Hunde neben sich. Die ersten 14 Tage schläft Zingg-Bucher bei der Hundemutter und ihren Jungen. Zwischen sechs und acht Welpen in einem Wurf sind normal. Sie hatte allerdings schon mal elf. „Das war dann echte Arbeit“, erinnert sie sich.

Nach dem ersten Frühsport füttert sie die Hunde, deren Zahl ständig variiert. Jeden Nachmittag geht sie mit ihnen zwei bis drei Stunden spazieren. „Da darf uns kein Tier über den Weg laufen“, lacht sie, denn für den Whippet sind nur Bewegungen interessant. Er gehe nicht der Nase nach.

Manchmal fährt sie nach Landstuhl zum Windhund-Renn-und Coursingverein. „Dort gibt es ein großes Gelände“, erzählt sie, und die Hunde könnten am Coursing teilnehmen, das auf freiem Feld stattfindet: Dafür werden Hasenattrappen an Zugseilen im Gelände bewegt, um eine Hasenhetze zu simulieren. Die Attrappe schlägt Haken, wie es ein echter Hase tun würde. Somit müssten die Hunde mitdenken. „Das liegt in ihrem Naturell“, versichert die Züchterin.

Zusätzlich geht sie mit ihren Hunden auf Ausstellungen. Gerne folgt sie der Einladung der Handwerkerzunft in Zürich zum „Sechselläuten“. Das ist ein Frühlingsfest, bei dem der Winter verbrannt wird. Seit Jahren schon läuft sie bei diesem umzugsartigen Fest mit ihren Hunden mit. Das sei eine Ehre. Mit ihren Hunden ist sie da eine der Attraktionen. Meist hat sie acht Whippets dabei.

Seit 2001 hat sie ihre Whippetzucht angemeldet. 2002 ist der erste Wurf gefallen. Mittlerweile ist sie beim H-Wurf (Würfe werden dem Alphabet nach bezeichnet), also dem achten Wurf. Aus diesem Wurf stammt die sechs Monate alte Hailey, die noch keinen neuen Besitzer gefunden hat. „Ich züchte bewusst nur ein bis zwei Würfe im Jahr“, erzählt Zingg-Bucher. Schließlich brauche sie Zeit für die Aufzucht und für die Betreuung der neuen Besitzer. Um davon leben zu können, müssten es drei bis vier Würfe im Jahr sein. „Aber das ist nicht in meinem Sinn.“

(...) Wer einen Hund von ihr kaufen möchte, muss zum einen sportlich sein und sich gerne draußen bewegen, zum anderen soll es jemand sein, der auf die Hunde zugehen kann. Einmal habe sich jemand für einen Hund interessiert und sich nicht getraut, die Hunde anzufassen. Das ist unvorstellbar für Zingg-Bucher: „Warum möchte man dann einen Hund?“

Außerdem erwartet die Züchterin von den neuen Besitzern, dass sie mit ihr in Kontakt bleiben. Sie möchte über die Hunde auf dem Laufenden gehalten werden. Bislang habe das funktioniert. Sie sieht sich in diesem Zusammenhang als erfahrene Ansprechpartnerin, die Ratschläge erteilen kann.

„Ich gebe gerne Rat im erzieherischen Bereich“, aber selbst Kurse geben möchte sie nicht.

Durch den Verkauf der Hunde hat sie international viele Kontakte. „Das Weiteste ist Irland“, berichtet sie. Durch die Hundezucht entstehen viele Freundschaften, sie habe viele nette Menschen kennen gelernt. Dass ihr die Hunde am Herzen liegen, merkt man. Sie möchte nicht, dass sie irgendwann im Tierheim landen. Dafür hat sie in ihren Kaufverträgen eine Klausel eingefügt: Kann jemand den Hund nicht mehr halten, muss das Tier zurück zu ihr.

Auf dem Gebiet der Hundezucht gäbe es – wie überall – viele schwarze Schafe. Wer einen Whippet kaufen will, kann sich beim Deutschen Windhundzucht-und Rennverband informieren. „Am besten geht man auf eine Ausstellung und nimmt dort Kontakt auf“, rät Zingg-Bucher. Die Mund-zu-Mundpropaganda helfe, das richtige Tier zu kaufen. Vorher sollte man sich ausgiebig über die Rasse informieren.

Daniela Zingg-Bucher hatte schon viele schöne Erlebnisse mit ihren Hunden. Sie ist quasi in eine Hundefamilie hineingeboren, also mit Hunden groß geworden. Ihr Vater, ein Kynologe, hatte Schlittenhunde und Airdale-Terrier. Kynologie beschäftigt sich mit der Lehre von den Rassen sowie der Zucht und Pflege von Hunden. Die Hundeerziehung übernimmt sie selbst, sie bildet sich auf diesem Gebiet regelmäßig weiter. „Es ist ein interessantes Hobby, wenn man es richtig macht.“

Infos

Text mit freundlicher Genehmigung von Frau Sigrid Lapp.
Fotos: W. Bärtsch und P. Guth.

 

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